Sonntag, 2. Juli 2017






NATURKUNDLICHE NOTIZEN


Bemerkenswerte Naturbeobachtungen aus dem Weiltal und der Umgebung Weilmünsters




Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger




Projekt:

NATUR DES WEILTALES



Diese neue Schriftenreihe des CID Internetverlages dient zur Fortsetzung der bisherigen Publikationsreihe

Naturkundliche Notizen / Januar 2015 bis Juli 2016.



INHALT




Auflösung einer vermutlich unfallbedingten Schockstarre (Schreck-Hypnose) bei einem Buchfink durch Körpermassage und anschliessende Beobachtung eines ungewöhnlichen Angriffsverhaltens des Singvogels auf eine Katze. 
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
10. November 2017

Der Gelbe Lerchensporn, Corydalis lutea, eine in der Region seltene Mohn-Pflanze im Botanischen Garten des CID Institutes.
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
13. August 2017

Neuregistrierung des Schwalbenschwanzes Papilio machaon bei Weilmünster im Weiltal (Hinter-Taunus).
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
19. Juli 2017

Fotografische Begleitung des Nestbaues eines Mehlschwalben-Paares (Delichon urbica)
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
19. Juli 2017

Über die bemerkenswerte Fähigkeit mancher Hautflügler (HYMENOPTERA / Wespen, Hornissen, Hummeln) zur Nahrungsaufnahme in Extremstellungen
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
11. Juli 2017

Sonntäglicher Rettungseinsatz der Weilmünsterer Feuerwehr für einen, aus seiner Salweiden-Baumhöhle gestürzten Grünspecht (Picus viridis) Nestling.
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
6. Juli 2017

Registrierung von drei bisher nicht bestätigten Tagfalter-Arten (LEPIDOPTERA: Hesperiidae / Dickkopf-Falter) im Juni 2017 in Weilmünster.
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
3. Juli 2017







Auflösung einer vermutlich unfallbedingten Schockstarre (Schreck-Hypnose) bei einem Buchfink durch Körpermassage und anschliessende Beobachtung eines ungewöhnlichen Angriffsverhaltens des Singvogels auf eine Katze. 
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster

10. November 2017


In der Natur bei Tieren und Menschen bekannt ist der sogenannte "Totstell-Reflex" bei welchem Angegriffene in vitalen Bedrohungssituationen in eine sogenannte Schock- oder Schreck-Starre verfallen und mit unbeweglichem Körper verharren. Ausgelöst wird der Reflex beispielsweise durch den direkten Angriff eines Fressfeindes (Prädators), bei stossartigen Berührungen oder bei unfallbedingten Zusammenstössen z.B. eines Tiers mit einem PKW. Der Totstell-Reflex, bei welchem die unbewegliche Körperhaltung des Opfers dem Angreifer suggeriert, das Beutetier sei tot, führt u.U. zur Unterbrechung des von einem AAM gesteuerten, komplexen Angriffsverhaltens des Angreifers welches aus Beute-Identifizierung, Jagd, Kampf, Überwältigung des Beutetieres und Tötungsreflex z.B. durch letalen Biss besteht und bisweilen rituellen Charakter zu haben scheint, wie es vom Beispiel der Mäusejagd von Katzen bekannt ist, welche noch mit ihrem gefangenen Opfer spielen, bevor sie es fressen. Für nicht aasfressende, räuberische Jäger stellen bereits tote Tiere keine attraktive Beute dar und werden so ignoriert bzw. nicht weiter attackiert. 

Beispielsweise bei Insekten hat die Schockstarre insbesondere deswegen eine Schutzwirkung, weil für viele Prädatoren die potentielle Beute optisch nur erkannt wird, während sie in Bewegung ist, während beispielsweise bewegungslos auf dem Rücken am Boden liegende Käfer nicht mehr dem bekannten Beuteschema entsprechen oder schlichtweg zwischen anderen Umgebungsstrukturen dort nicht mehr gesehen bzw. erkannt werden. 

Ein weiteres Exempel für reversible Schockstarre bei Insekten beschreibt die Publikation des CID Institutes BEOBACHTUNGEN ZUR BEUTE-LÄHMUNG BEI TON-NEST BAUENDEN WESPEN DER FAMILIE EUMENIDAE vom 31. Mai 2010 am Beispiel der Wiedererlangung der Fortbewegungsfähigkeit bei Schmetterlingsraupen, welche als Larvalnahrung für die Brut von Eumenes wagnerianus in einem Tonzellen-Nest eingemauert worden waren.    

Auch indirekte, subtile oder vom potentiell Angegriffenen falsch verstandene und interpretierte Todesdrohungen können zu einer hypnotischen Schockstarre führen, bei welcher die vitalen Lebensfunktionen zuerst vorübergehend und dann dauerhaft vom Körper des Angegriffenen selbst reduziert und reprimiert werden, was sich in spontaner bis andauernder Lethargie, reduzierter Atmung und Allgemeinvitalität und allgemeinem Abwehrverhalten ausdrückt. Bei der hypnotischen Schockstarre liegt initial eine Konfliktsituation vor, bei welcher der Angegriffene den Angreifer als zu überlegen einschätzt, so dass eine körperliches Abwehrverhalten zur unmittelbaren Selbstverteidigung deswegen unterdrückt wird, weil die Einschätzung überwiegt, beim direkten Kampf geringere Überlebenschanchen zu haben als beim Totstellverhalten. Das bedeutet aber nicht, dass der Reflex durch durchdachte Bewusstseinsprozesse aktiv eingeleitet wird. Vielmehr kommt es zu spontanen, unbewussten oder vom eigenen Willen des Angegriffenen nicht kontrollierten Reagieren des Körpers auf Grund nicht im Detail bekannter, angeborener Selbstschutzmechanismen oder systematischer, erziehungebedingter Voreinstellungen. Dieses Phänomen ist auch in der Humanbiologie bekannt und von ausserordentlicher Bedeutung für die präventive Abwehr kontemporärer, spätkolonialistischer Massenhinrichtungen an ethnischen Minderheiten, welchen von Todesdrohungen begleitete Verdrängungskampagnen vorausgehen, die wiederum Massenflucht- (Rohingya) oder Lethargie-Reaktionen (Ebola) auslösen, die dann von organisiert-sedierenden Kampagnen der Massenmedien begleitet werden. Nicht selten werden solche Massenpsychosen gezielt und durchdacht durch Medienkampagnen vorbereitet, wie das Beispiel der Kombination von Bildmeldungen in Nachrichtensendungen zum Obama-Besuch in Senegal gefolgt von Meldungen über vergiftetes Trinkwasser in Plastikflaschen in den USA welches mit Frauen in senegalesischer Landestracht kombiniert wurde, zeigt. Wenige Wochen nach diesem medialem, psychoaktiven Giftmedikament kam es zum Ausbruch der sogenannten Ebola-Epedemie. Siehe: http://nassau-orange-senegal.blogspot.de/ und http://2017-cid-report-studienprojekte.blogspot.de/. Die Obama-Administration eignete sich besonders für solche medialen visuellen Gift-Meldungs-Kampagnen, weil durch die Tatsache, dass ein schwarzer US-Präsident massenmedienwirksam inszeniert werden konnte viele Zuschauergruppen erreicht werden konnten, welche ansonsten die "Arbeit" diesbezüglicher Medien ignorierten. Somit konnte diesen unerfahrenen Zuschauern auf dem Wege der subtilen Nachrichtenkombination tiefenpsychoplogisch wirksame Giftcoctails per Fernsehprogramm verabreicht werden.  

Schockstarren lösen sich in der Natur meist nach kurzer Zeit von selbst wieder auf, das heisst, das vorübergehend sedierte Tier erlangt bei nicht lebensgefährlichen Verletzungen nach einer Attacke oder einem Zusammenstoss schnell wieder seine volle Bewegungsfähigkeit und kann flüchten, wenn der Angreifer sich zurückgezogen hat. Bei Insekten kann in diesem Zusammenhang beobachtet werden, dass sie bei Störung durch Berührung zuerst mehrfach in Bewegungslosigkeit versetzt werden können, wobei die Dauer der induzierten Schockstarrephasen allerdings mit der Frequenz der Störungswiederholungen abnimmt, so dass daraus abzuleiten ist, das eine Gewöhnung des gestörten Tieres an den, die Schockstarre auslösenden Störungsreiz eintritt.

Fallbeispiel:

Am 3. November 2017 wurde auf der Weilstrasse bei Weilburg Gunthersau ein mitten auf der Fahrbahn sitzender Buchfink (Fringilla coelebs) gefunden, der sich bei Annäherung nicht entfernte. Eine nähere Untersuchung des Tieres ergab, das es vermutlich in Folge eines Zusammenstosses mit einem PKW in einer verletzungsbedingten Schockstarre stark benommen am Unfallort verharrte. Federverluste an Stirne und Brust und Blutreste an einer Nasenöffnung wiesen auf eine Kollission mit einem Fahrzeug hin, könnten aber theoretisch auch durch den Angriff eines Prädatoren, z.B. eines Raubvogels entstanden sein.


Verletzter Buchfink mit Federfehlstellen an Stirn und Brust an der Weilstrasse bei Weilburg Gunthersau.

Blutaustritt aus einer Nasenöffnung in Folge innerer Blutungen nach Kollission mit einem PKW bei dem unfallverletzten Buchfink





Wegen der Schwere der Verletzungen und dem anhaltenden Schockzustand des Vogels, der sich insbesondere durch das Fehlen jeglicher Wegflugversuche manifestierte, wurde der Buchfink in das HQ des CID Institutes nach Weilmünster mitgenommen, wo ihm als Nahrung Sonnenblumenkerne und Wasser angeboten wurden. Der Vogel trank mehrfach Wasser, musste dazu jedoch mit dem Schnabel in die Flüssigkeit getaucht werden und zerkaute mehrere Sonnenblumenkerne, wenn man ihm diese in den geöffneten Schnabel einschob, schluckte sie aber nicht herunter. Selbständige Nahrungsaufnahmeversuche zeigte er nicht.

Das Tier blieb dort im Verlaufe von 1 1/2 Stunden weitestgehend bewegungslos an den Stellen sitzen, an welchen es im Büro abgesetzt wurde und unternahm in diesem Zeitraum keine Flugversuche und lief auch nicht herum. Die Untersuchung von Schwingen, Federn und der Allgemeinphänologie des Vogels schloss aus, dass es sich um einen noch nicht flugfähigen Jungvogel oder ein Tier mit insgesamt fehlender Flugfähigkeit handeln könnte. Somit lag nahe, das der anhaltende Schockstarrezustand sich noch nicht aufgelöst hatte, möglicherweise weil das Tier durch den Transport und die ungewohnte neue Umgebung noch tiefer in die Selbstschutz-Hypnose gefallen war.

Zu diesem Zeitpunkt wurden Versuche gestartet, den Vogel durch Berührungen in einen anderen Zustand zu versetzen, nachdem er länger gefüttert und getränkt worden war, aber weiter bewegungslos an ein und derselben Stelle auf dem Schreibtisch sitzen blieb. Das Tier wurde zuerst mit einer "Fussmassage" versorgt und anschliessend durch streichelnde Berührungen des Kopfes beruhigt bzw. verwirrt, wobei die "Behandlung" gleichzeitig mit einer Videokamera registriert wurde. Während die Berührungen der Füsse des Tieres keine Reaktion zur Folge hatten reagierte er  aber auf das Antasten des Kopfes tatsächlich mit deutlichen Bewegungen desselben bis er schliesslich aus dieser Position begann, erstmals seit seiner Ankunft im Büro auf dem Schreibtisch herumzuhüpfen.



Fuss- und Kopf-Massage zur Schockstarre-Auflösung am Unfall-Buchfink im CID Büro



Im Anschluss an die beginnende, erfolgreiche Hypnosezustand-Auflösung und das "Erwachen" des Vogels aus seiner Lethargie kommt es zu einer bemerkenswerten Verhaltenskette, welche zufällig ebenfalls im Kurzfilm aufgezeichnet ist.


Während der "Massage-Behandlung" des Unfallopfers hatte sich die CID Institut Hauskatze vom Garten aus angenähert und beobachtete den Vogel durch die verschlossene Fensterscheibe mit grossem Interesse ohne ihn auch nur für einen Moment aus den Augen zu lassen. Das nun langsam wieder zu selbständigen Bewegungen fähige Tier beginnt dann sofort, in Richtung auf die Katze zuzuhüpfen, so als würde es von dieser bzw. von derer intensivem Blick angezogen. Dieser Bewegungsablauf endet zuerst darin, dass der Vogel direkt bis an die Fensterscheibe vorspringt während die Katze von aussen versucht, ihn mit einem Sprung zu fangen, was wegen der geschlossenen Scheibe misslingt. 

Katze und Vogel sitzen sich dann unmittelbar an der Scheibe gegenüber und scheinen sich intensiv zu betrachten, wobei die Katze bewegungslos in die Augen des Vogels zu starren versucht, während der Buchfink den Kopf mehrfach hin und herdreht, und sein Gegenüber jeweils mit einem seiner Augen einpeilt. Die Katze hebt dann mehrfach ihre Pfoten und langt nach dem Vogel, was dieser durch zunehmendes Picken mit dem Schnabel gegen die Fensterscheibe in Richtung Katze beantwortet bevor er mehrere Flugversuche in Richtung des Katzengesichtes auf der anderen Seite der Scheibe startet, so als wolle er den Kopf der Katze selbst direkt angreifen.

Diese ungewöhnliche Begebenheit zeigt, dass der Übergang von unfallbedingtem Schockstarreverhalten zu direktem Angriffsverhalten gegen einen dem Vogel weitaus überlegenen Angreifer direkt ineinander übergeht, also ein vollständiges "Umklappen" der sedierenden Verhaltenskonditionierung in eine allerdings irrationale Attacke von einem Moment zum nächsten möglich ist, ohne dass dazu eine längere Übergangsphase notwendig wäre. 



Video : Buchfink wird durch Körpermassage aus einer Schockstarre erweckt und gleich darauf von einer Katze attackiert wobei der den Versuchen der Katze, ihr Opfer mit Blicken zu lähmen bzw. zu hypnotisieren, widersteht und sogar zum Gegenangriff auf sie übergeht.





Es ist von Vorteil, das Video ohne Ton abzuspielen


Der weitergehend erholte Vogel startete in den folgenden Stunden erste Sprung-Flugversuche im Büro-Raum und konnte am Folgetag nach mehreren Freiland-Flugversuchen selbständig wegfliegen.

         





Der Gelbe Lerchensporn, Corydalis lutea, eine in der Region seltene Mohn-Pflanze im Botanischen Garten des CID Institutes.
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
13. August 2017


Ob Corydalis lutea tatsächlich schon eine regional gefährdete oder vom Verschwinden bedrohte Pflanzenart wäre, kann nicht notwendigerweise behauptet werden, doch ist an einem der beiden, dem CID Institut bisher bekannten natürlichen Standorte im laufenden Jahr 2017 ein auffälliger Bestandsrückgang zu registrieren, nämlich an den alten Gemäuern der seit dem Weilburger Strassentunnelbau nicht mehr befahrenen Auffahrt-Strasse zum Landtor, wo im Spätsommer regelmässig die auffällig leuchtend gelben Blüten der ansonsten unauffällig im Mauerwerk verborgenen kleinen, krautigen Pflanzen sichtbar wurden. Die an Extremstandorte mit Nährstoffmangel angepasste Pflanze aus der Familie der Papaveraceae wächst hier zwar typischerweise, erreicht wegen des geringen Nährstoffangebotes aber selten die angegebenen maximalen Wuchshöhen von 20 bis zu 30 cm an Idealstandorten.

Im Gegensatz zu den in Mitteleuropa weit verbreiteten bzw. häufigeren, lila oder weissblühenden Lerchensporn-Arten (meist: Corydalis cava, C. solida, C. fabacea), die u.a. einen typischen Bestandteil der Buchen- und Auwaldflora darstellen, ist der gelbe Lerchensporn "ursprünglich" im mediterranen Europa südlich der Alpen zwischen dem Lago Maggiore in den Kalkalpen und Dolomiten bis nach Kroatien beheimatet, wo er in der Natur in Felsspalten und auf Schutthalden kalkreichen Gesteines wächst. Als Zierpflanze gelangte Corydalis lutea vermutlich auch im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen seit den Kreuzzügen und wahrscheinlich auch durch Hugenotten und Waldenser in die Region zwischen Rheingau und Lahntal wo sie an südexponierten Berghängen, steinigen Weinbergslagen, sonnenbeschienenen Mauern an frostgeschützten Stellen wild wächst aber auch in Gärten und Parks gerne als besondere Zierpflanzen mit leuchtend gelben Blüten angepflanzt wird. 

Vielen gelb-blühenden Blütenpflanzen wird eine medizinale oder Heil-Wirkung zugeordnet die sich allerdings nicht ausschliesslich durch die Existenz extrahierbarer Medizinalwirkstoffe begründet sondern auch auf die grundsätzlich positiv stimuliernde Wirkung gelber Farbtöne wie der von Corydalis lutea Blüten bezieht, deren Anblick subtil ein Wohlbefinden suggeriert. Auf diesen grundsätzlich stärkenden oder heilenden Effekt des Anblickes gelber Blütenfarbtöne stützt sich teilweise die Gabe getrockneter Pflanzenteile oder Extrakte dieser Pflanzen als Medikaménte gegen "Erkältungskrankheiten" zu Jahreszeiten, wenn diese Pflanzen nicht mehr blühen, so dass neben dem Wirkstoffeffekt von Heiltees auch subtil die Erinnerung an die Blütenfarbe zur Sommerzeit durch die Einnahme des Medikamentes aktiviert wird. Corydalis lutea selbst ist allerdings keine Offizinalpflanze, da sie in ihren Wurzeln angeblich giftige Alkaloide enthalten soll. 

Corydalis lutea wächst im Botanischen Garten des CID Institutes zusammen mit einer sehr ähnlichen, weissblütigen Corydalis-Art, welche hier aber noch nicht exakt systematisch zugeordnet wurde. Von dieser unterscheidet sich die gelbblütige Art durch heller grün gefärbte Blätter mit etwas breiteren Fiederblättchen, währen die weissblütige Corydalis Art bläulichgrün gefärbte Blätter mit etwas feiner geformten Fiederblättchen hat, die dem Farbton der Blätter der Weinraute (Ruda graveolens) nahekommen.

Blatt der gelb-blühenden Corydalis lutea (links) neben dem mehr blaugrün gefärbten Blatt der sehr ähnlichen, weissblütigen Corydalis Art (rechts & unten)


Blatt und Blüte von Corydalis lutea



Weissblütige Corydalis Art neben Blüten von Corydalis lutea



Blüten von Corydalis lutea




Der Gelbe Lerchensporn Corydalis lutea im Botanischen Garten des CID Institutes








Neuregistrierung des Schwalbenschwanzes Papilio machaon bei Weilmünster im Weiltal (Hinter-Taunus).
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
19. Juli 2017

Viel bedauert und bejammert wird sein Fehlen und Unkenrufe sagen ihm oft nach, er sei "Verschollen" oder gar "Ausgestorben". Doch eigentlich ist er immer da, der Schwalbenschwanz, der gerne als schönster, grösster und auffälligster Tagfalter "unseres Raumes" tituliert wird, zumindestens während seiner regulären Flugzeiten, welche mit dem Auftreten der ersten Faltergeneration zwischen April bis Ende Juni, der Zweiten von Ende Juni bis Mitte August und in günstigen Jahren sogar einer dritten von August bis September, jahreszeitlich markiert sind. Warum aber sieht "man" ihn dann nicht mehr ? Das erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass die, die ihn zur Adoleszentenzeit bei ihren Streifzügen durch die Natur kennen und bewundern gelertnt haben nun in dem Alter sind, in welchem sie mehr vor dem Fernseher oder im Auto sitzen als über Trockenwiesen und Brachflächen zu streifen und ihn deswegen wohl nicht mehr zu sehen bekommen, denn eigentlich kommen Schwalbenschänze nur selten ins Wohnzimmer.

Nicht aus "unserem Raum" verdrängt sind die Umbelliferen (Doldenblütler), unter denen sich die wichtigsten Raupen-Nahrungspflanzen des Schwalbenschwanzes finden: Wilde- und Garten Karotte, Petersilie, Fenchel, Dill, Wiesen-Kümmel und Wiesen-Bärenklau, Silge, Gartenraute und Weinraute, Bibernelle, Bärwurz, Wald-Engelwurz, Haarstrang, Geissfuss, Grossblättriger Breitsame und Sichelblättriges Hasenohr. Somit gibt es auch heute noch "bei uns" gute Entwicklungschancen für den Tagfalter-Nachwuchs. Im Hintertaunus und im Weiltale, dem Naturraum, auf welchem das CID Institut seine Naturbetrachtungen fokussiert, sind allerdings die Brachwiesen, blütenreiche Ruderalflächen, Trockenhänge, Weinberge, Halbtrockenrasen und Magerwiesen bewachsen mit nektarreichen Blütenpflanzen - insbesondere Disteln und hier an erster Stelle der Weberkarde Dipsacus sativus - noch nicht so besonders häufig und damit bedarf das beliebteste Nahrungshabitat und Aufenthaltsgebiet der Tagfalter noch der Förderung. So stellen in der Umgebung von Weilmünster xerotherme, trocken-heisse, offene und sonnenbeschienene Strassenränder und seltenere landwirtschaftliche Ackerbrachen in der Natur die einzigen Idealhabitate für die adulten Stadien diese Schmetterlingsart dar. 

Nach der Distanzsichtung eines Schwalbenschwanz-Falters im Jahre 2002 auf dem Bielerberg und dem Fund einer Schwalbenschwanzraupe am Landstrassenrand zwischen Langenbach und Rohnstadt vor ca. 7 Jahren ist die neuerliche Registrierung von adulten Schwalbenschwänzen am 18.7.2017 bei hohen Temperaturen und strahlender Sonne auf einer mit Weberkarden bestandenen Ackerbrache am Kirberg zwischen Weilmünster und Rohnstadt ein besonders erfreulicher Wiederfund dieses Schmetterlinges der Familie der Ritterfalter (Papilionidae), zu welcher in Europa neben 2 weiteren, südeuropäischen Arten der Gattung Papilio noch die Apollofalter der Gattung Parnassius, der Segelfater Iphiclides podalirius, die Osterluzeifalter der Gattung Zerynthia und der Falsche Apollo Archon apollinus zählen. Das Verbreitungsgebiet des Schwalbenschwanzes dehnt sich über das gesamte Europa, Norwestafrika, Kleinasien über Ostasien bis Japan hin aus. Auch in Nordamerika kommen Unterformen des Falters vor.










Schwalbenschwanz Papilio machaon am 18. Juli 2017 an Weber-Karden auf einer Ackerbrache bei Weilmünster












Fotografische Begleitung des Nestbaues eines Mehlschwalben-Paares (Delichon urbica)
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
19. Juli 2017

Glücklicherweise hat sich die bisweilen gehegte Befürchtung, mit zunehmendem Strassenbau, Flächenversiegelung und dem Verschwinden von Bauernhöfen mit Fachwerkgebäuden und unzementierten Hofflächen würden auch die Schwalben aus den ländlich sturkturierten Wohnsiedlungen verschwinden, da sie so kein Baumaterial für ihre Nester mehr finden würden, als unzutreffend herausgestellt. Trotz widrigester Bedingungen bei der Ressourcenversorgung finden Schwalben auch heute in der modernen Welt immer noch geügend Stellen mit freiliegender Lehm- und Tonerde die noch nicht mit Zementdecken zugeschmiert worden sind so dass ihnen immer genügend Baumaterial für die Reparatur und Neuanlage der Wände ihrer bemerkenswerten Nester zur Verfügung steht. 

Wie lange dauert nun der Bau eines aus etwa 1 Pfund feuchter Tonerde bestehenden Nestes, einer beachtlichen Menge Werkmaterial das ja von den nur 2 Baumeistern in unzähligen Flügen und nur im Schnabel transportiert oder verschluckt und wiederausgespuckt erstmal zum Bauplatz transportiert werden muss, bevor es dort kunstvoll zu einer stabilen Nestwand zusammengeformt wird, die Brut und 1 Elterntier tragen und jeglicher Witterung standhalten muss ?

In Weilmünsters Ortskern finden sich aktuell 2 Schwalbenarten sehr unterschiedlicher Ökologie: die Uferschwalbe Riparia riparia und die Mehlschwalbe Delichon urbica. Während die Uferschwalben ausschliesslich über dem ortsnamensgebenden Fliessgewässer entlangfliegen und ihre Nester in Erdhöhlen von Ufersteilwänden anlegen besiedeln nur die Mehlschwalben den gewässerferneren Ortsbereich, fliegen in Strassenzüge mit Giebeldachgebäuden ein und bauen dort unter den regengeschützten Dachkanten am vertikalen Mauerwerk ihre typischen Nester. Das Bausystem bleibt dabei immer das selbe: Nachem ein Schwalbenpaar sich gefunden und zum Nestbau entschlossen hat beginnt es, an einer geeigneten Stelle etwa 10-15 Zentimeter unterhalb der Dachkante erste Lehmklümpchen an die vertikale Aussenmauer zu kleben, welche zu einem Halbmondförmigen Nestboden aufgestockt und hochgezogen werden. Dieser Baumaterialansatz wird dann zuerst zu einer Halbschale erweiteret, in welcher die bauenden Vögel, die sich zuerst an der kahlen Wand festkrallen mussten, Platz nehmen können um so bequemer mit dem Nestbau, der dann sukzessive schneller voranschreitet, fortfahren zu können. Die Aussenwand wird dann topfförmig schrittweise bis an die horizontale Dachkante hochgezogen und dort - mit Ausnahme eines schmalen Einflugschlitzes - befestigt.

Im Juni glückte dem CID Institut die durchgehende Beobachtung eines Schwalbennestbaues vom ersten Moment der initialen Bauphase am 1.6.2017 bis zur weitgehenden Fertigstellung des Nestes nach 2 Wochen, wobei der Ausbau der Verbindung zwischen Nestseitenwand und Dachkante sich aber noch über längere Zeit bis zum 30.6.2017 hinzog.   


1. Tag 





Beginn des Nestbaues am 1. Juni

2. Tag

Fortschritt des Nestbaues am 2. Juni

3. Tag



Fortschritt des Nestbaues am 3. Juni

4. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 4. Juni

6. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 6. Juni

9. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 9. Juni

10. Tag



Fortschritt des Nestbaues am 10. Juni

14. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 14. Juni

17. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 17. Juni

30. Tag


Fortschritt des Nestbaues am 30. Juni.
Ein brütender Elternvogel ist im Nest.



Auch wenn das Nest auf dem Niveau nach 4 Wochen Konstruktionszeit nun fertiggestellt zu sein scheint, so geht die Werktätigkeit der nistenden Schwalben doch unaufhörlich weiter. Kontinuierlich wird die Nestwand ausgebessert, perfektioniert und repariert. Dies wird sich auch in den Folgejahren fortsetzen, doch ist natürlich noch nicht absehbar, ob dasselbe Schwalbenpaar, das das Nest gebaut hat, dort im Frühsommer 2018 wieder einnisten wird, ob Nachkommen der eigenen Brut von Juli 2017 dies tun werden oder ob ganz andere Vögel das Nest nutzen werden, das sie allerdings zuerst einmal entdecken müssten, denn auf den Nest-Standort sind natürlich nur die Erbauer und Bewohner "geprägt".  

49. Tag
Fortschritt des Nestbaues am 19. Juni.
Das Nest ist mit 4 Jung-Schwalben besetzt











Über die bemerkenswerte Fähigkeit mancher Hautflügler (HYMENOPTERA / Wespen, Hornissen, Hummeln) zur Nahrungsaufnahme in Extremstellungen
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
11. Juli 2017


Wenn man starken Hunger hat dann isst man sein Brötchen, egal wo man sich gerade befindet. Solche allgemeinen Lebensweisheiten bezüglich der Befriedigung von lebenserhaltenden Grundbedürfnissen gelten nicht nur für Menschen sondern auch in der Tierwelt. Doch sind Tiere mangels sozialer Rücksichtnahmen anderen Rahmenbedingungen ausgesetzt als Menschen. Isst ein Kollege, dann lässt man ihn in Ruhe und stört ihn nicht mit belästigenden Fragen etc. solange bis er mit dem Kauen aufgehört hat. Bei Tieren ist das anders, Mundraub während des Verzehrs von Nahrung ist das Alltagsgeschäft. Aus diesem Grunde müssen sich Tiere nach dem Beutefang oft an Extrempositionen zurückziehen um dort ungestört ihr gerade gefangenes Essen zu sich nehmen zu können. Bereits beschrieben ist in diesem Zusammenhang das "Beuteflugverhalten von Milanen" in einem vorangegangenen Artikel dieser Schriftenreihe (Artikel vom 8.1.2015 Naturkundliche Notizen 1).

Insekten können dank ihrer hochentwickelten und spezialisierten Körperteile auch kopfüber bzw. mit dem Körper nach unten hängend und der Schwerkraft entgegenwirkend sich an der Unterseite von Gegenständen festhalten und sich dort auch fortbewegen. Selbst an Metallstangen mit polierten, glatten Oberflächen finden sie dank der Krallen an den Tarsen (Füssen) ihrer 3 Beinpaare noch Halt. Dabei haben sie sogar die Fähigkeit den horizontalen Untergrund mit 4 ihrer 6 Beine loszulassen und - mit dem Kopf nach unten hängend und nur gehalten durch ihr letztes Beinpaar - die vorderen Gliedmassen zum Halten und Bewegen der Beute beim Zerkleinern der Nahrung mit den Mandibeln (Kauwerkzeugen) zu benutzen. Dies sei am Beispiel der folgenden Bildserie anschaulich visuell dargestellt.










Deutsche Wespe (Vespula germanica) beim Anflug an eine horizontal verlaufende Metallstange und beim Verzehr ihrer Beute mit herabhängendem Kopf, wobei sie sich letztendlich nur noch mit den Krallen der beiden Hinterbeine am Untergrund festhält.
Beobachtung vom 6.9.2016 / Wissenschaftsgarten.

   
Auch die grössten heimischen Wespen, die ebenfalls zur Gruppe der Sozialen Faltenwespen zählenden Hornissen (Vespa crabro) verfügen über die Fähigkeit zum Nahrungsverzehr mit kopüber herabhängendem Körper wobei sie sich nur noch mit den beiden Hinterbeinen festhalten. Ein solches Beispiel ist in der Folge anhand der Fotodokumentation einer Hornisse im Mehlbachtal bei Weilmünster dargestellt, welche aus dem Fluge heraus ein Beutetier an einer Distel ergreift und mit den vier vorderen und mittleren Beinen festhält und dreht, während sie sich mit den Krallen der beiden Hinterbeine am Distelblatt festhakt und ihren Körper während der Nahrungsaufnahme herabhängen lässt. 








Hornisse (Vespa crabro) beim kopfüber herabhängenden Beuteverzehr eines Coleopteren. Beobachtung vom 18.6.2017 im Mehlbachtal.


Etwas fernere Verwandte der Wespen innerhalb der Hymenopteren sind die Hummeln. Im Gegensatz zu den Wespen und Hornissen ernähren sie sich weniger als Prädatoren von gefangenen Beutetieren sondern nehmen hauptsächlich pflanzliche Nahrung in Form von Nektar, Pollen oder Blütenstaub auf. Somit haben sie also im Prinzip jederzeit alle ihre 3 Beinpaare ausschliesslich zum Stabilisieren ihrer Position und zum Festhalten frei, da sie ihre Extremitäten nicht zum Beutefang und Beute-Transport benötigen. Daher können sich sich auch leichter als Wespen an herabhängenden Pflanzenteilen und Blüten festhalten und kopfüber an diesen Herummanöverieren. Doch gelegentlich ist auch bei Hummeln ein merkwürdiger Sonderfall des "sich Hängenlassens" zu beobachten, welches dem vorangehend geschilderten Hänge-Fressverhalten von Wespen und Hornissen ähnelt, aber vermutlich bei Hummeln eher einer Herabhängenden Ruhestellung oder Schlafhaltung entspricht.

Hängende Hummel (Bombus lucorum - Königin) an Sommerflieder zur Mittagszeit, vermutlich in Schlafposition.
Beobachtung vom 13.9.2016 im Wissenschaftsgarten.


Kopfüber speisende Ackerhummel (Bombus pascuorum) an Digitalis.
Beobachtung vom 8.8.2016 im Wissenschaftsgarten.









Sonntäglicher Rettungseinsatz der Weilmünsterer Feuerwehr für einen, aus seiner Salweiden-Baumhöhle gestürzten Grünspecht (Picus viridis) Nestling.

Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
6. Juli 2017


Auf Grund des ausserordentlichen Lärmes, welchen die jugendliche Besatzung eines Grünspecht-Nestes in Erwartung der mit eingesammeltem Futter zur Baumhöhle zurückkehrenden Eltern-Vögel erzeugte, wurde das CID Institut auf das Brutgeschehen in einer Spechtöhle im Stamm einer direkt dem Institutsküchenfenster gegenübergelegenen Salweide (Salix caprea) aufmerksam. Die Existenz der Specht-Nesthöhle auf etwa 6 Metern Stammhöhe war bereits vor mehreren Jahren registriert werden und ein Grünspecht-Paar gehört seit Jahrzehnten zur Stammbesatzung des das heutige CID Institutsgebäude umgebenden Waldgartens, doch war bisher in keinem der Vorjahre eine Spechtbrut bemerkt worden. Die Institutsmäzenin fütterte das Spechtpaar jedoch gezielt seit Jahren mittels eines im Garten aufgestellten Kiefernstammes in dessen Rindenrisse sie Mandeln und Haselnüsse verbarg, welche die Spechte dann, nachdem sie diese laut mit ihrem Namen "Spechti" gerufen hatte, unverzüglich abholten. Die Vögel näherten sich beim Gerufenwerden sogar bis in eine nahestehende Birke im Nachbargarten an und antworteten mit Schreien auf die Rufe.


Erster diesjähriger Auftritt des CID Instituts-Grünspechtes im Botanischen Institutsgarten am 2. März 2017


Am 3. Juli 2013 stürzte ein noch nicht vollkommen flugfähiger Grünspecht-Jungvogel in den CID Institutsgarten und hüpfte dort auf dem Gartenboden herum, wobei er in Gefahr geriet, Opfer einer Katze zu werden. Der Vogel wurde aufgenommen, gefilmt, über Nacht im Haus untergebracht und gefüttert und am nächsten Vormittag wieder in den Garten gesetzt, wo er erneut zu Fliegen begann. 


Im Botanischen Institutsgarten abgestürzter Grünspecht-Jungvogel am 2. Juli 2013


Nachdem am 26. Mai 2017 die lautstarke Aktivität in der Spechthöhle bemerkt worden war, starteten sofort Versuche, den Ein- und Ausflug des bzw. der fütternden Elterntiere in das Nest zu fotografieren oder zu filmen, was leider mehr oder weniger misslang. Allerdings konnten einige Portraits der Jungvögel aufgenommen werden, welche im Nest pausenlos schreiend ihre Hälse zum Einflugloch hin reckten und bisweilen auch herausschauten. Eine kurze Videosequenz zeigt dann die in kurzen Sekundenbruchteilen die im Nest fütternde Mutter, die die äussere Umgebung fest im Auge behielt. 






Specht--Nestlinge warten auf Futter

Grünspecht äugt während der Fütterung ängstlich aus dem Nest 






Am 28. Mai 2017 und weit entfernt von jeglicher Fähigkeit selbständig zu Fliegen kam es nach 2 Tagen Portraitfotografie aus der Distanz dann zu dem merkwürdigen Ereignis, das eines der Grünspecht-Babies durch das Einflugloch nach Aussen kletterte und den Baumstamm herabstürzte wo es zufällig vom CID Instituts-Staff am Ende einer Wanderung gefunden wurde. 


Am 28. Mai aus dem Spechtnest gestürzter Jungvogel


Der Jungvogel wurde sofort aufgenommen und in Sicherheit gebracht und die Technik seines Zurücksetzens ins Nest erörtert. Zur Fütterung durch seine Mutter wurde er zuerst auf dem Hausdach des Institutsgebäudes abgesetzt doch diese ignorierte seine Schreie bei ihren Fütterungsanflügen. Da die Leiter des CID Institutes nicht ausreichte um gefahrlos in die erforderliche Höhe des Spechthöhleneinganges zu gelangen informierte das CID Institut die Feuerwehr Weilmünster deren Wehrführer, Herr Pfeiffer sich nach Erläuterung der Problemlage dann auch sofort bereit erklärte, an den Neststandort zu kommen und zu helfen.


CID Instituts-Leiter mit dem jungen Grünspecht

Grünspech (Picus viridis) Baby

Grünspecht-Baby in Fütterungs-Erwartungs-Haltung

Wenige Minuten nach der Kontaktaufnahme mit der Feuerwehr Weilmünster war diese mit einem Leiterfahrzeug und drei Mann Besatzung zur Stelle. Nach der Begutachtung des unglückseeligen und mangels Federpracht auch wenig repräsentabel dastehenden Grünspechtes und des hohen Nesteinganges wurde das Leiterfahrzeug in Position gebracht, der Specht an die Feuerwehrmitarbeiter übergeben und dieser in einem beherzten Rettungseinsatz wieder in sein Nest zurückgebracht.


 Positionierung des Leiterfahrzeuges vor der Salweide mit der Spechthöhle
 Übergabe des Specht-Babies an die Feuerwehrleute


 Aufstieg des Wehrführers mit dem Spechtbaby zum Nesteingang
Zurücksetzten des Specht-Babies durch Herrn Pfeiffer in die Nesthöhleneingang







Registrierung von drei bisher nicht bestätigten Tagfalter-Arten (LEPIDOPTERA: Hesperiidae / Dickkopf-Falter) im Juni 2017 in Weilmünster.
Dipl. Biol. Peter Ulrich Zanger / CID Institut Weilmünster
3. Juli 2017




Seit Beginn der fotografischen Bestandserfassung und systematischen Präsentation der in den Naturräumen von Weilmünster nachgewiesenen Tagfalter Arten durch das CID Institut bzw. die Bildagentur Foto CID / Projekt: Natur des Weiltales im April 2013 sind in der Tagfalter-Dokumentation der Schriftenreihe Natur das Weiltales 31 Schmetterlingsarten gesichtet, präsentabel fotografiert und bestimmt worden. 15 davon sind Edelfalter (Nymphalidae), 8 Weisslinge (Pieridae) und weitere 8 zählen zur Familie der Bläulinge (Lycaenidae). In den vergangenen 4 Jahren Fotoexkursions-Tätigkeit ist somit kein einziger Dickkopf-Falter aus der Familie HESPERIIDAE dokumentiert worden.

Die Präsenz keiner der oben angegebenen und in der Bilddatenbank SCHMETTERLINGE WEILMÜNSTERS in der Schriftenreihe NATUR DES WEILTALES abgebildeten Schmetterlingsarten stellt eine Überraschung dar, vielmehr handelt es sich um die für die Naturräume Weilmünster typischen und unbedingt zu erwartenden Arten. Auch ist bisher die Schmetterlingsfauna Weilmünsters keineswegs vollständig von der naturwissenschaftlichen und landeskundlichen Bildagentur erfasst und abgebildet worden, es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einige weitere Tagfalterarten in den Orts-Naturräumen des Möttbach-, Weil und Bleidenbachtales sowie auf den dazwischenliegenden Höhenzügen zu erwarten. Nur - sie sind im Verlauf der bisher allerdings auch nicht flächendeckend und  - wie es zur vollständigen systematischen Inventarisierung notwendig wäre - über den gesamten Jahreszeitaum ausgedehnten Bestandsaufnahme gesichtet und fotografiert worden. Zwei weitere Tagfalter könnten der Bestandsliste eigentlich schon hinzugefügt werden und zwar der Schwalbenschanz (Papilio machaon Fam.: PAPILIONIDAE), welcher in zurückliegenden Jahren vor 2010 bisher 2 mal in Ortsnähe gesichtet wurde und zwar am Bielerberg und auf den Wiesen der Gärtnerei Hammer sowie einmal als Raupe an der Strasse zwischen Langenbach und Rohnstadt und desweiteren auch der Schillerfalter (Apatura iris Fam.: NYMPHALIDAE) der 2003 noch in der Umgebung der Steinbrüche zwischen Möttau und Altenkirchen flog, doch konnten die Beobachtungen trotz grosser Aufmerksamkeit nach 2010 nicht verifiziert werden und fehlt daher auch die Voraussetzung der Aufnahme in die Fotodatenbank in Form einer präsentablen Original-Fotografie als Existenznachweis durch die Bildagentur Foto CID.

Im Jahr 2017 sind bisher auf den ersten Blick Tagfalter in enorm grosser Zahl zu sehen, was an den für die Vermehrung und den Flug günstigen Witterungsbedingungen in diesem Jahr liegen mag, aber nicht zuletzt auch daran, dass Landwirtschaft und Gärtnerei in Weilmünster dankenswerterweise fast vollständig auf den Einsatz von Pestiziden verzichten und so die Tagfalterpopulationen durch diesen Faktor nicht dezimiert werden - zur Freude der Vogelwelt. Die 3 Dickkopffalter-Arten wurden so auf 2 Fotoexkursionen im Mehlbachtal und am Weilmünsterer "Weinberg" zwischen Nassauer Strasse und Eppenbachtal gesichtet und dort jeweils auf Brachflächen mit ungestörter, blütenreicher und sehr Arten-diverser Wildwuchsvegetation.   

Auch die 3 "neuen" Dickkopffalter sind - wie alle anderen bisher nachgewiesenen Schmetterlinge - keineswegs seltene Arten sondern zählen zu den typischen Brachland, Ruderalflächen, Waldränder, Hochstaudenfluren und Wildwiesen besiedelnden Tagfalterarten. Warum sie bisher, das heisst seit 2010 von Foto CID noch nie fotografisch erfasst wurden ist eigentlich kaum erklärbar, denn die im Juni 2017 besuchten Brachflächen sind eigentlich regelmässige Exkursionsziele in jedem bisherigen Jahr gewesen. Doch auch Schmetterlingen mag eigen sein, das sie selbst über ihr Gesehenwerden bestimmen und besonders von Dickkopffaltern könnte man solches erwarten.

Die Erscheinungsform aller 3 Hesperiiden, also ihr körperliches Aussehen, ist fast identisch, ebenso ihre Angewohnheit, sich auf exponierten Pflanzenteilen niederzulassen und dort Sitzwarten in die Sonne einzunehmen. Gelb-ocker- und rostbraun getönt sind ihre Flügel, welche sie zumeist in "Delta"-Form aufklappen und mit 2,5-3,5 cm Fügelspannweite zählen sie zu den kleinsten einheimischen Tagfaltern. 

Die Artbestimmung gerade dieser 3 Hesperiiden ist nicht unkompliziert, denn zuerst sind Männchen und Weibchen in minimalen Details unterschiedlich gezeichnet und dann sind die optischen Hauptbestimmungsmerkmale, nämlich die Form und Zeichnung der Duftschuppen-Makel auf den Flügeloberseiten, von Natur aus sehr variabel und nur vorübergehend sichere Bestimmungsparameter, denn Flügelschuppen sind oft nur am frischgeschlüpften Tier vollständig vorhanden und gehen mit den Lebenstagen und unter Witterungseinfluss schnell verloren. So bleiben als zweite, sichere Bestimmungsmerkmale die Fühlerkolben der Falter bzw. die Färbung derer Ober- und Unterseiten der Fühler, doch um diese anhand von Fotografien sicher und von allen Seiten exakt sichtbar untersuchen zu können müssen aus allernächster Nähe der Falter Makrofotografien aus verschiedenen Blickwinkeln vom "Gesicht" der Tiere gelingen - und diese sind hochsensibel, sehr scheu und schnell. Zudem fliegen 2 der Arten Thymelicus lineolus und Thymelicus sylvestris etwa zeitgleich im Jahr und besiedeln dieselben Habitate so dass es bei den unruhigen und hochaktiven Tieren, die permanent durcheinanderflattern, schwierig ist zu wissen, ob der Falter, dem man mit der Kamera von einer zur nächsten Blüte folgte dort überhaupt noch derselbe ist. 

Anhand der Resultate der fotografischen Bestandsaufnahme konnten folgende 3 Dickkopffalter-Arten identifiziert werden:


Ochlodes venatus
Rostfarbiger Dickkopffalter





























Der Rostfarbige Ochlodes- unterscheidet sich von den Braun- und Schwarzkolbigen Thymelicus-Dickkopffaltern insbesondere dadurch, dass die Felder am Flügelhinterrand, die die Zwischenräume zwischen den dunkleren Streifen der Flügeladerungen bilden, deutlich erkennbar dunkelbrauner gefärbt sind als der hellrostbrauner gefärbte Vorderrand der Flügel. Bei den Thymelicus-Arten liegt eine einheitlichere Farbtongebung der gesamten Flügelfläche vor, während der Flügelhinterrand von Ochlodes venatus ansatzweise einem Schachbrettmuster ähnelt.  

Bei Ochlodes-Dickkopffaltern ist zudem der schwarze Duftschuppenstrich oder -fleck, auch Flügelmakel genannt, am stärksten und deutlichsten ausgeprägt, so dass die Männchen dieser Art unverwechselbar sind wobei den Weibchen der Duftschuppen-Strich fehlt, so dass diese zuerst nur anhand der hell-dunkel Farbtönung der Flügel ihren männlichen Artgenossen zugeordnet bzw. von Thymelicus-Weibchen getrennt werden können.  
  
In Weilmünster fliegt Ochlodes venatus im Juni auf den Hochstaudenfluren im Mehlbachtal, einem Habitat gekennzeichnet von ungestörten Feuchtwiesen und stark verbuschter Waldrandvegetation.




Thymelicus sylvestris
Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter



























Auch der Braunkolbige Braun-Dickkopffalter Thymelicus sylvestris hat eindeutige Erkennungsmerkmale, zumindestens das Männchen. Bei ihm ist der Duftschuppenstrich feiner bzw. dünner, langgestreckter und etwas gebogen ausgeprägt, die Flügelfarbtönung ist einheitlicher hell-ockerbraun im Unterschied zum mehr hell-dunkel gefleckten Ochlodes venatus


Dem Weibchen von Thymelicus sylvestris fehlt ein Duftschuppen-Makel auf der Flügeloberseite und somit ist es dem Weibchen der zweiten Thymelicus-Art zum Verwechseln ähnlich. Das Unterscheidungsmerkmal zu Thymelicus lineolus besteht denn auch darin, dass - wie der deutsche Name der Falter schon nahelegt - die Fühler bzw. deren Unterseiten und insbesondere deren Fühlerkolben bei Thymelicus sylvestris ockergelb gefärbt sind (siehe Bild), während Thymelicus lineolus Falter dunkelbraune bis schwarze Fühlerunterseiten haben.

Thymelicus sylvestris fliegt schon im Juni und während des gesamten Juli in Weilmünster auf der Brachfläche am Weinberg Weilmünster, welcher einst den Gemarkungsnamen Lorbeerkrone trug. 





Thymelicus lineolus
Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter



























Bei dem dritten der 3 sehr ähnlich aussehenden Dickkopf-Falter ist nun bei Thymelicus lineolus der Duftschuppenstrich auf der Vorderflügel-Oberseite nur sehr schwach und dünn ausgeprägt und fast unerkennbar oder fehlt bisweilen sogar gänzlich, so dass zwischen Männchen und Weibchen nur kaum erkennbare Unterschiede existieren, während die Färbung der Gesamtflügelfläche relativ einheitlich getöntes Ockergelb ist. Kennzeichen der Art ist daher die fehlende Ockergelb-Färbung der Fühlerkolben-Unterseite bzw. genauer gesagt, die dunkelbraun bis schwarz Färbung dieses Körperteiles.


Thymelicus lineolus fliegt zeitparallel zu Thymelicus sylvestris und besiedelt ebenso dasselbe Habitat wie die Schwesterart, nämlich die Brachfläche am Weilmünsterer Weinberg.


Zusammen mit den 3 neu nun im Juni 2017 nachgewiesenen Hesperiiden und den im letzten Jahrzehnt gesichteten und deutlich selteneren Papilioniden und Nymphaliden Schwalbenschwanz und Segelfalter, welcher sicher unbemerkt auch heute noch rund um Weilmünster leben, erhöht sich somit die Zahl der von CID Institut bzw. Foto CID zwischen 2002 und 2017 registrierten Tagfalter auf insgesamt 36 Arten.


Das ist für Weilmünster schon etwas besonderes Erfreuliches.





Eine Publikation der Schriftenreihe Naturwissenschaften 
des CID Verlag, Weilmünster.





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Text und Fotos (wenn kein anderes Zitat oder Bildautor genannt): 
Dipl. Biol. Peter Zanger / Foto CID




titelfoto

Melanargia galathea, Schachbrettfalter 
Lorbeerkrone Weilmünster (Weinberg)
Foto CID 27. Juni 2017